Briefe an die Leser
Ein Brief von Max Bentow
Liebe Leserinnen und Leser,
es war im Urlaub an der Ostsee, als mich der erste Funke der Inspiration für meinen neuen Thriller streifte. Meine Frau und ich saßen im Garten unseres Ferienhauses, und plötzlich flog ein großer schwarzer Vogel über uns hinweg. Dabei stieß er kehlige Schreie aus. Ich hielt ihn zunächst für eine Krähe, aber dann wies mich meine Frau daraufhin, dass es ein Rabe sei.
„Seine Rufe sind anders. Hörst du? Es ist das für einen Raben typische ‚Kroah, Kroah‘.“
Später bemerkten wir ihn dann im Küstenwald. Wir beobachteten ihn lange, und ich war mehr und mehr fasziniert von diesem schönen Tier. Als wir später sahen, wie sich ihm ein zweiter Rabe näherte, den er mit verschiedenen dunklen, rau und doch anmutig klingenden Lauten begrüßte, und feststellten, dass es sich offenbar um ein Paar handelte, beschloss ich, alles über diese Vögel herauszufinden.
Ich begann, im Buch eines Rabenforschers zu lesen, lernte, dass Raben tatsächlich zu den Singvögeln gezählt werden, sie über eine erstaunliche Intelligenz verfügen und sehr alt werden. Der Forscher lebte lange Jahre in einer einsamen Hütte im Wald und baute eine erstaunliche Bindung zu einigen der in der Nähe beheimateten Tiere auf.
Auf ausgedehnten Strandspaziergängen spürte ich, wie sich allmählich eine Geschichte in meinem Kopf verdichtete. Wenn ich heimkam, machte ich mir eifrig Notizen. Die ersten beiden Sätze daraus lauten: „Eine Jugendliche glaubt, die Sprache der Raben zu verstehen. Kurz darauf verschwindet sie spurlos.“
Zurück in Berlin setzte ich meine Recherchen fort. Und machte mich auf in die Uckermark, da ich hoffte, in der urigen Natur dort Raben beobachten zu können. Bei meinen Wanderungen durch die Schorfheide hörte ich tatsächlich wieder ihre besonderen Rufe und sah einen ganzen Schwarm junger Raben über die Wipfel der Bäume hinwegfliegen.
Als ich im Buch des Forschers auf eine Passage über einen seltenen Gendefekt mancher Raben stieß, der zu einzelnen weißen Federn in ihrem Gefieder führt, verspürte ich ein mir mittlerweile vertrautes Kribbeln in den Fingern. Das sind die aufregenden Momente der Inspiration. Ich fertigte weitere Notizen an. Ein Rabe mit einer einzigen weißen Feder sollte in meinem Thriller eine besondere Rolle spielen …
Bevor ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, aber nun zu viel verrate, möchte ich Sie einladen zu einer Reise ins geheimnisvolle „Rabenland“, dem neuen Fall für die eigenwillige Kriminalpsychologin Carlotta Weiss und Hauptkommissar Nils Trojan.
Dabei wünsche ich Ihnen viel Spaß, wohliges Gruseln und spannende Unterhaltung. Und ich verspreche Ihnen, dass es trotz einiger äußerst mysteriöser Ereignisse in diesem Buch für alles eine plausible Auflösung geben wird …
Ihr
Max Bentow